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An Lichtmess 's spenna vergess

Holzgerlinger Geschichten

Früher war der 2. Februar "Lichtmess" ein wichtiger Tag im bäuerlichen Leben.

Mit diesem Tag waren die "Lichtstuben" bei uns "Kaarz" genannt, zu Ende. Der "Kaarz" war ein geselliges Zusammentreffen, bei dem sich die jungen Mädchen zum Spinnen, Häkeln oder Stricken trafen, u.a. auch um Licht zu sparen. Häufig kamen junge Burschen dazu - ein harmloses Vergnügen mit Liedern, Neckereien und auch Anbändeleien. Von den Pfarrern seien diese Treffs nicht so gerne gesehen worden!

Außerdem war es der Tag des Arbeitsplatzwechsels für Mägde und Knechte. Auch die Dienstboten und Handwerksgesellen, die nicht "oms Doobleiba" gefragt worden waren, mussten ihr Bündel schnüren. Der Fortziehende bekam einen großen Brotlaib mit auf den Weg und wurde von seinen Kameraden noch ein Stück begleitet. Ein bekannter Vers dazu hieß: " Heut' isch mei Bündelestag - morga mei Ziel. Wenn i maschiera muss - han i net viel".

Aber nicht nur das eher vergnügliche Spinnen und Nähen an der Aussteuer hatte an Lichtmess ein Ende. Auch die staubige und harte Drescharbeit mit dem Dreschflegel sollte bis dahin beendet sein. Zum Abschluss der schweren und ungeliebten Arbeit (Flegelheketse) gab es dann ein großes Essen, bei dem man Zuschlagen konnte, wie ein "Scheunendrescher"!

Der Lichtmesstag war aber auch - neben Martini - ein wichtiges "Ziel", nämlich der Tag, an dem die fälligen Zinsen bezahlt werden mussten. Nach dem Ausdreschen war nun Korn im Haus, das verkauft werden konnte oder es wurde ein Stück Vieh geschlachtet. Mit diesen Erlösen konnten die Bauern dann ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen.

Dagegen war der Fasnets-Dienstag in unserer, evangelisch-pietistisch geprägten Region, kein närrischer Tag und kein Mensch dachte an feiern, verkleiden, narret sein. Aber alle Leute freuten sich auf die an diesem Tag angekündigten "Fasnetsküchla", die nur einmal im Jahr in jedem Haus in Schweinefett gebacken wurden und ganz köstlich schmeckten. "Lass mi meine Küchla en Deim Schmalz backa - no derfsch au dei Fleisch en meim Kraut kocha"- hieß ein lustiger Fasnetküchles-Spruch. Natürlich gab es damals noch keine Fasnetsküchla beim Bäcker zu kaufen!

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Autor:
Helga Zaiser
Mörikestraße 26
71088 Holzgerlingen
Telefon 07031/609349
E-Mail: email[at]omahelga.de


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