Holzgerlingen Online - Eule und Rabe © Bärbel Lohberg

Gschichta - vo dr Ahna erzählt

Holzgerlinger Geschichten

Noch in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts waren unsere Großeltern nicht "dr Opa ond d'Oma", sondern man nannte sie - zumindest in den ländlichen Gegenden - einfach "Ahna ond Ähne".

In sogenannten "besseren Kreisen" hießen sie Großmutter und Großvater. D' Ahna war meist dunkel gekleidet mit einem langen Rock, einem jackenartigen hochgeschlossenen Oberteil und werktags nie ohne Bundschürze, die man "Schaffschurz" nannte. Meist hatte sie ein Kopftuch umgebunden.

Sonntags zum Kirchgang ging man ganz in schwarz - man leistete sich meist nur e i n Sonntagskleid. Die alten Fotos zeigen, dass diese Kleider aber oft sehr aufwändig genäht oder verziert waren. Den Ähne sah man werktags fast immer mit einer Kapp auf dem Kopf, einer Arbeitshose, einem blauen Hemd, einem "Kittel" oder einer Strickjacke. Sonntags ging auch er im schwarzen Anzug zur Kirche. Dort saßen die Männer ausschließlich auf der Empore, während man Frauen und Mädchen nur im Kirchenschiff antraf.

Die "Ahna" konnte gut Geschichten von früher erzählen - vor allem im Winter, wenn die Feldarbeit ruhte und die Bratäpfel im Ofen dufteten. Davon weiß auch die frühere Holzgerlingerin Heidi Molis zu berichten, die aus der Briefträger-Familie Sterzer stammt und heute in Bergisch-Gladbach wohnt. Sie liest immer noch das "Holzgerlinger Nachrichtenblatt" und hat uns die folgende fast unglaubliche Geschichte geschickt, die ihr ihre Großmutter Marie Sterzer, geb. Schmid vor vielen Jahren erzählt hat:

Da es früher noch keine Straßenbeleuchtung gab, hatten die Leute immer etwas Angst, am Friedhof vorbeizugehen. An einem späten Abend - auf dem Heimweg vom "Karz" - kamen einige der jungen Mädchen und Burschen auf die Idee, eine Mutprobe zu starten. Man suchte einen Mutigen, der es wagen würde, eine Spindel in ein Grab zu stecken.

Ein junges Mädchen meldete sich - sie wollte es riskieren. Am Grab sah das Mädchen auf einmal in ihrer Phantasie wie sich eine knöcherne Hand aus dem Grab erhob und sie am Rock festhielt. Sie wollte wegrennen, aber es ging nicht! Ihr Schreck war so groß, dass sie einen Herzschlag bekam und auf der Stelle tot war.

Die anderen Beteiligten waren an der Friedhofmauer stehen geblieben und wurden unruhig, weil das Mädchen nicht zurückkam. Also gingen sie zusammen hinein und fanden das Mädchen tot am Grab liegen. Sie hatte sich die Spindel aus Versehen durch ihren Rock hindurch in die Erde gestochen und wurde dadurch am Weglaufen gehindert. Das hatte bei ihr einen tödlichen Schock ausgelöst.

Soweit die traurige Geschichte vom Mädchen mit der Spindel. Als Aufheiterung noch eine zweite Oma-Sterzer-Erzählung: Bei einer Befragung der Konfirmanden über ihr Bibelwissen fragte einmal der Pfarrer einen zukünftigen Konfirmanden "Womit fuhr der Prophet Elias in den Himmel?" Der arme Kerl hatte keine Ahnung. Da die Befragung im Gottesdienst stattfand, hatte eine hinter ihm sitzende Frau Erbarmen und flüsterte ihm zu: "mit a ma feuriga Waga". Der aufgeregte Jüngling verstand es aber nicht richtig und rief erfreut "Mit a ma kupferna Hafa!"

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Autor:
Helga Zaiser
Mörikestraße 26
71088 Holzgerlingen
Telefon 07031/609349
E-Mail: email[at]omahelga.de


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